Ein Besuch, der Haltung sichtbar macht
Psychologische Sicherheit ist kein abstraktes Konzept. Sie zeigt sich im Erleben.
Ber diesjährigen Teamklausur der Grenzlotsen GmbH in Überlingen am Bodensee wurde genau das greifbar. Ich durfte für CEO Janine Lampprecht gemeinsam mit ihrer COO Sladjana Pfrommer auch in diesem Jahr deren Teamklausur begleiten. Geprägt war diese von der Offenheit, Humor und gegenseitigem Respekt.
Was besonders auffiel, war die Qualität des Dialogs. Das Team sprach klar, ehrlich und wertschätzend – auch in Richtung Geschäftsführung. Feedback wurde nicht vorsichtig formuliert oder relativiert, sondern verantwortungsvoll und auf Augenhöhe eingebracht. Ohne Angst oder taktisches Abwägen.
Diese Form des Miteinanders entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis bewusster Führungsarbeit, gelebter Werte und eines gemeinsamen Verständnisses von Zusammenarbeit. Leistung und Menschlichkeit stehen hier nicht im Widerspruch, sondern verstärken sich gegenseitig. Genau so fühlt sich gelebte psychologische Sicherheit an.
Was die Forschung zeigt: Googles Project Aristotle
Dass dieses Erleben kein „weicher Faktor“, sondern ein zentraler Leistungstreiber ist, zeigt auch das Project Aristotle von Google.
Google untersuchte rund 180 firmeninterne Teams – eine Mischung aus sehr leistungsstarken und weniger erfolgreichen Gruppen. Analysiert wurden sowohl die Zusammensetzung der Teams als auch ihre Dynamiken und Arbeitsweisen.
Das zentrale Ergebnis:
Teameffektivität hängt deutlich weniger von den einzelnen Personen ab als von der Art und Weise, wie sie zusammenarbeiten.
In den besonders erfolgreichen Teams tauchten immer wieder die gleichen fünf Faktoren auf, die Google als Effektivitätssäulen definierte. An erster Stelle – und deutlich vor allen anderen – stand:
Psychologische Sicherheit.
Erst wenn Menschen sich sicher fühlen, ihre Perspektiven einzubringen, entstehen die weiteren Faktoren wirksam:
-
Verlässlichkeit
-
Struktur und Klarheit
-
Sinn
-
Wirkung
Ohne psychologische Sicherheit bleiben diese Aspekte fragil. Mit ihr werden sie tragfähig.
Was psychologische Sicherheit wirklich bedeutet
Der Begriff geht maßgeblich auf die Harvard-Professorin Amy Edmondson zurück. In ihrem TEDx Talk beschreibt sie psychologische Sicherheit wie folgt:
Psychologische Sicherheit beschreibt, wie sicher sich die einzelnen Teammitglieder damit fühlen, ein zwischenmenschliches Risiko einzugehen.
In Teams mit niedriger psychologischer Sicherheit halten Menschen Fragen zurück, vermeiden Widerspruch oder verschweigen Fehler – aus Sorge, als ignorant, inkompetent oder negativ wahrgenommen zu werden.
In Teams mit hoher psychologischer Sicherheit ist das anders. Hier können Teammitglieder:
-
Fragen stellen
-
Zweifel äußern
-
Ideen einbringen
-
Kritik formulieren
ohne befürchten zu müssen, bewertet, beschämt oder sanktioniert zu werden.
Wichtig dabei: Psychologische Sicherheit bedeutet nicht Harmonie um jeden Preis oder das Vermeiden von Konflikten. Im Gegenteil. Sie schafft den Raum für konstruktive Reibung, Lernen und Entwicklung und damit für nachhaltige Performance.
Psychologische Sicherheit zeigt sich im Alltag
Und zwar im Tonfall, im Umgang mit Feedback und in der Qualität von Beziehungen.
Der Besuch bei den Grenzlotsen hat eindrücklich gezeigt, wie kraftvoll sie wirkt, wenn sie konsequent gelebt wird.
Die Forschung von Google bestätigt: Sie ist der wichtigste Faktor für wirksame Teamarbeit.
Und die Definition von Amy Edmondson macht klar, worum es im Kern geht: um den Mut, sich zu zeigen – und die Sicherheit, dafür nicht verurteilt zu werden.
Psychologische Sicherheit ist keine Methode.
Sie ist eine Haltung.
Und sie wächst dort, wo Vertrauen täglich gestaltet wird.
Bleibt neugierig –
eure Vaya Wieser-Weber,
und das Team der Impulspiloten