Zukunft beginnt mit einem Bild im Kopf

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Was brauchen Menschen und Organisationen, um auch in unsicheren Zeiten mutig nach vorne zu schauen? Wie entsteht Zuversicht, wenn Nachrichten von Krisen, Kriegen und wirtschaftlichen Herausforderungen unseren Alltag prägen? Und warum fällt es uns oft leichter, Risiken zu sehen als Möglichkeiten?

Über diese Fragen habe ich gemeinsam mit David Zöllner in unserem Podcast „Good Life. Good Business.“ mit Silvia Ziolkowski gesprochen. Silvia begleitet seit über 20 Jahren Unternehmen, Teams und Einzelpersonen dabei, Zukunftsbilder zu entwickeln. Sie ist Coach, Autorin, Rednerin und eine der bekanntesten Expertinnen für Zukunftsgestaltung im deutschsprachigen Raum. Was mich an ihrer Arbeit besonders fasziniert: Sie spricht nicht über Zukunft als abstraktes Konzept. Sie macht Zukunft greifbar, lebendig und vor allem gestaltbar.

Ein Satz aus unserem Gespräch hallt noch lange nach:

„Zukunft zieht uns, wenn sie eine gute ist.“

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, wie oft wir genau das Gegenteil erleben. Viele Menschen beschäftigen sich intensiv mit dem, was schiefgehen könnte. Unternehmen analysieren Risiken, Märkte beobachten Unsicherheiten und Führungskräfte suchen Antworten auf immer komplexere Herausforderungen. All das ist wichtig. Gleichzeitig entsteht dadurch schnell ein Blick auf die Welt, der vor allem von Problemen geprägt ist.

Silvia beschreibt dieses Phänomen sehr treffend. Sie sagt, dass wir unseren „Pessimismus-Muskel“ täglich trainieren, unseren „Zukunftsmuskel“ dagegen viel zu selten. Dabei entscheidet genau dieser Muskel darüber, ob wir Veränderungen als Bedrohung oder als Gestaltungsmöglichkeit erleben.

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Warum Zukunftsdenken heute wichtiger ist denn je

Die vergangenen Jahre haben uns eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich Rahmenbedingungen verändern können. Künstliche Intelligenz verändert ganze Berufsbilder. Der Klimawandel stellt Unternehmen und Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Konflikte sorgen dafür, dass viele Menschen das Gefühl haben, die Welt werde immer unübersichtlicher.

Aus psychologischer Sicht ist es nachvollziehbar, dass wir in solchen Situationen vorsichtiger werden. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Gefahren frühzeitig wahrzunehmen. Negative Informationen erhalten automatisch mehr Aufmerksamkeit als positive Entwicklungen. Dieses Prinzip hat uns evolutionär geholfen zu überleben.

Für Veränderungsprozesse, Innovation und Zukunftsgestaltung kann genau dieser Mechanismus jedoch zum Hindernis werden. Denn wer dauerhaft im Alarmmodus unterwegs ist, dessen Blick verengt sich. Kreativität nimmt ab. Neue Möglichkeiten werden weniger sichtbar. Mutige Entscheidungen fallen schwerer.

Deshalb sind positive Zukunftsbilder weit mehr als eine nette Motivationsübung. Sie schaffen einen Gegenpol zu den vielen Unsicherheiten, die uns täglich begegnen. Sie helfen uns, den Blick wieder zu weiten und neue Handlungsspielräume zu entdecken.

Visionen sind keine Luxusartikel

 

Besonders spannend fand ich in unserem Gespräch die Frage, warum Visionen für viele Unternehmen noch immer ein schwieriges Thema sind.

Silvia erzählt, dass sie zu Beginn ihrer Arbeit häufig gehört hat, Zukunftsvisionen seien „Schischi“ – etwas, das man sich leisten könne, wenn sonst alles läuft. Heute erlebt sie eine deutlich größere Offenheit. Viele Unternehmen haben erkannt, dass eine Vision kein Luxus ist, sondern Orientierung schafft.

Gerade in Zeiten, in denen Märkte dynamischer werden und Veränderungen schneller aufeinanderfolgen, brauchen Menschen einen Nordstern. Sie möchten verstehen, wohin die Reise geht und warum sich ihr Einsatz lohnt. Zahlen, Strategien und Maßnahmen allein reichen dafür nicht aus.

Menschen folgen nicht primär Prozessen. Sie folgen Bedeutungen. Sie wollen Teil von etwas sein, das größer ist als die tägliche To-do-Liste.

Eine wirksame Vision schafft genau das. Sie beschreibt nicht nur ein Ziel, sondern eröffnet ein Bild. Ein Bild, das Energie freisetzt und Menschen miteinander verbindet.

Das Zukunftshaus: Mehr als eine Vision

Im Laufe ihrer Arbeit hat Silvia ein Modell entwickelt, das sie „Zukunftshaus“ nennt. Was mir daran besonders gefällt, ist die Erkenntnis, dass eine Vision nicht einfach auf dem Reißbrett entsteht.

Bevor Menschen ein gemeinsames Zukunftsbild entwickeln können, müssen sie zunächst verstehen, worauf dieses Bild überhaupt aufbaut. Welche Stärken bringen wir mit? Welche Werte teilen wir? Was gibt uns Energie? Welche Überzeugungen prägen unser Denken und Handeln?

Erst wenn diese Fragen geklärt sind, entsteht das Dach des Hauses – die eigentliche Vision.

Besonders der Bereich der Haltung hat mich während unseres Gesprächs beschäftigt. Denn oft sind es nicht äußere Umstände, die Entwicklung verhindern, sondern innere Überzeugungen. Wenn Menschen glauben, dass Veränderungen ohnehin scheitern werden, verhalten sie sich unbewusst genau so, dass dieses Ergebnis wahrscheinlicher wird.

Umgekehrt entsteht etwas Kraftvolles, wenn Menschen davon überzeugt sind, dass Entwicklung möglich ist.

Hier schließt sich für mich der Kreis zu meiner eigenen Arbeit rund um Growth Mindset und Lernkultur. Die Art und Weise, wie wir über die Zukunft denken, beeinflusst unmittelbar unser Verhalten in der Gegenwart. Unsere Haltung bestimmt, welche Möglichkeiten wir wahrnehmen, welche Risiken wir eingehen und wie wir mit Rückschlägen umgehen.

Zuversicht ist kein Zufall

 

Ein weiterer Gedanke aus unserem Gespräch hat mich besonders berührt: Zuversicht ist keine Charaktereigenschaft, die man entweder besitzt oder nicht besitzt. Zuversicht ist etwas, das wir aktiv kultivieren können.

Silvia arbeitet deshalb gerne mit einer Übung aus der Positiven Psychologie. Jeden Abend drei Dinge festzuhalten, die an diesem Tag gut gelaufen sind. Das klingt zunächst einfach. Vielleicht sogar zu einfach.

Doch genau darin liegt die Kraft dieser Übung.

Wer regelmäßig den Blick auf gelungene Momente richtet, trainiert seine Wahrnehmung. Plötzlich werden die kleinen positiven Erfahrungen sichtbarer. Ein gutes Gespräch. Eine gelungene Entscheidung. Ein Moment von Mut. Eine Begegnung, die Kraft gegeben hat.

Die Herausforderungen verschwinden dadurch nicht. Aber sie werden eingebettet in ein vollständigeres Bild der Wirklichkeit.

Und genau dieses vollständigere Bild brauchen wir, wenn wir Zukunft gestalten wollen.

Zukunft entsteht heute

 

Vielleicht war das die wichtigste Erkenntnis unseres Gesprächs mit Silvia Ziolkowski: Zukunft beginnt nicht irgendwann. Sie beginnt nicht erst, wenn alle Unsicherheiten verschwunden sind oder die perfekten Bedingungen geschaffen wurden.

Zukunft entsteht in den Bildern, die wir von morgen entwickeln. In den Geschichten, die wir uns selbst erzählen. In den Entscheidungen, die wir heute treffen.

Gerade Führungskräfte stehen dabei in einer besonderen Verantwortung. Sie gestalten nicht nur Strategien und Prozesse, sondern auch die Zukunftsbilder ihrer Organisationen. Sie prägen, woran Menschen glauben, worauf sie ihre Energie richten und wie sie mit Veränderungen umgehen.

Deshalb lohnt es sich, immer wieder innezuhalten und sich eine einfache Frage zu stellen:

Welche Zukunft zieht uns eigentlich gerade nach vorne?

Denn wer ein attraktives Bild von morgen entwickelt, gewinnt etwas, das in bewegten Zeiten unbezahlbar ist: Orientierung, Energie und die Bereitschaft, den nächsten Schritt zu gehen.

Oder, um es mit Silvia Ziolkowskis Worten zu sagen:

Wir sollten beseelt sein von dem, was wir tun – und bekloppt genug, daran zu glauben.

 

Bleibt neugierig –

eure Vaya Wieser-Weber,

und das Team der Impulspiloten

Autor

  • Vaya Wieser Weber

    Vaya Wieser-Weber ist Unternehmerin und Keynote Speakerin für Growth Mindset, Zuversicht und positive Führung im Business. Unternehmen buchen sie, wenn es darum geht, Veränderung nicht nur zu verstehen, sondern in Verhalten zu übersetzen und eine klare, zukunftsorientierte Haltung im Unternehmen zu verankern.

    Sie zählt zu den profiliertesten Speakerinnen im deutschsprachigen Raum und steht für Keynotes mit Substanz, Wirkung und hoher Umsetzungsstärke – geprägt von über 25 Jahren Erfahrung, fundierter Expertise sowie einer kraftvollen Mischung aus Klarheit, Energie und Humor.

    In ihren Vorträgen zeigt sie, wie Unternehmen, Teams und Führungskräfte auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig bleiben, ein starkes Growth Mindset entwickeln und Zuversicht gezielt als Führungsressource nutzen.

    Als Autorin, Podcasterin von „Good Life, Good Business“ und geschäftsführende Gesellschafterin der Impulspiloten GmbH entwickelt sie Formate für Organisationsentwicklung, die Kultur, Zusammenarbeit und Führung nachhaltig verändern.

    Mehr über ihre Arbeit:
    👉 www.vaya.live
    👉 www.impulspiloten.de
    👉 www.wildwomensclub.de
    👉 Podcast „Good Life, Good Business

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