Drei Tage raus aus dem Alltag, rein in einen Erfahrungsraum, der fordert, irritiert und zugleich trägt. Unser Applied-Impro-Format der Impulspiloten war genau das: ein intensives Lernlabor für Menschen, die Führung, Organisationen und Zusammenarbeit in unsicheren Zeiten neu denken wollen.
Statt klassischer Seminarlogik ging es um Eintauchen. Um Präsenz. Um das bewusste Arbeiten mit dem, was entsteht – nicht mit dem, was geplant war. Der besondere Ort, die Lichtung an der Pegnitz, bot dafür den passenden Rahmen: konzentriert, offen, entschleunigt.
Warum Improvisation heute Führungskompetenz ist
Ob Führung, Vertrieb, Organisations- oder Kulturentwicklung – viele der Teilnehmenden einte die Frage:
Wie navigieren wir sinnvoll durch eine Welt, die brüchig, nervös, nicht-linear und oft schwer erklärbar ist?
Die sogenannte BANI-Welt (Cascio & Cascio) verlangt andere Antworten als klassische Managementmodelle. Applied Impro setzt genau hier an – nicht mit Tools, sondern mit Haltung und Erfahrung:
Resilienz, wenn Dinge zerfallen: durch die Fähigkeit, Chaos nicht sofort aufzulösen, sondern anzunehmen („Yes to the mess“).
Sicherheit, wenn Unsicherheit dominiert: durch echte Präsenz im Moment.
Orientierung, wenn Ursache und Wirkung nicht mehr klar sind: durch „Yes, and…“ statt Kontrollillusion.
Sinn, wenn Komplexität überfordert: durch mutiges Vorangehen – auch stolpernd.
Ein Modell jenseits von Patentlösungen
Applied Impro ist kein übertragener Methodenkoffer, sondern ein eigenständig entwickelter Ansatz, den Ralf und ich seit Jahren kontinuierlich weiterentwickeln. Drei zentrale Denkbewegungen prägten auch dieses offene Format:
Kollektive Kreativität: Innovation entsteht im Zusammenspiel – nicht durch Einzelne, sondern durch geteilte Aufmerksamkeit und gemeinsames Weiterbauen.
Status als Beziehung, nicht als Position: Wirkung entsteht nicht durch formale Macht, sondern durch das, was andere zuschreiben. Führung wird damit situativ und beweglich.
Das Innovationsparadox von Hierarchie: Dort, wo Kreativität und Lernen gefragt sind, wirken starre Statusordnungen oft bremsend.
Diese Prinzipien wurden nicht erklärt, sondern erlebt – körperlich, emotional, im direkten Miteinander.
Lernen mit Kopf, Körper und Haltung
Der didaktische Kern des Applied Impro liegt im erlebnisbasierten Lernen. Spiele, Szenen und Impro-Formate öffnen einen Raum, in dem neues Verhalten risikofrei ausprobiert werden kann. Fehler werden nicht vermieden, sondern genutzt. Beiträge nicht bewertet, sondern aufgenommen und weitergeführt.
Forschungsergebnisse – unter anderem von Francesca Gino (Harvard Business School) – bestätigen, was hier praktisch erfahrbar wurde: Impro-basierte Zusammenarbeit fördert Zuhören, Gleichwertigkeit, Engagement und bessere Entscheidungen.
Was bleibt
Nach drei Tagen blieben keine fertigen Antworten – sondern etwas Wertvolleres:
- Mut zum Ausprobieren
- neue Denk- und Handlungsspielräume
- und der klare Wunsch, diesen Weg weiterzugehen.
Oder, wie es eine Teilnehmerin beim Abschied formulierte: ein Gefühl von sicherem Rahmen, Wachstum und gemeinsamer Entwicklung.
Bleibt neugierig –
eure Vaya Wieser-Weber,
und das Team der Impulspiloten