Warum die größte Sicherheitslücke oft vor dem Bildschirm sitzt

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Es gibt Gesprächspartnerinnen, die einen schon nach den ersten Minuten dazu bringen, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Genau so ging es mir mit Dr. Erlijn van Genuchten.

Ich durfte Erlijn bereits als Speakerin erleben und war damals schon beeindruckt davon, wie sie scheinbar hochkomplexe Themen wie Cybersecurity, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit verständlich, lebendig und interaktiv vermittelt. In meinem Podcast Good Life, Good Business wollten wir deshalb tiefer eintauchen – und am Ende ging es um weit mehr als Hacker, Passwörter oder technische Sicherheitslücken. Es ging um Menschen

 

Die größte Schwachstelle ist selten die Technik

Wenn wir an Cyberangriffe denken, stellen wir uns oft hochspezialisierte Hacker vor, die komplizierte Programme schreiben und Sicherheitsbarrieren überwinden.

Natürlich gibt es diese Angriffe.

Doch Erlijn machte im Gespräch deutlich, dass erfolgreiche Cyberangriffe häufig einen ganz anderen Ausgangspunkt haben: den Menschen.

Social Engineering nennt sich diese Form der Manipulation. Dabei werden keine Systeme gehackt, sondern Vertrauen.

Menschen werden unter Druck gesetzt, emotional beeinflusst oder gezielt getäuscht. Eine scheinbar harmlose E-Mail. Eine Nachricht vom vermeintlichen Geschäftsführer. Eine dringende Bitte um eine Überweisung. Ein Login-Link, der täuschend echt aussieht. Technisch ist das oft erstaunlich simpel, psychologisch dagegen hochwirksam.

Gerade weil wir hilfsbereit sein wollen, Verantwortung übernehmen oder schnell reagieren möchten, treffen wir Entscheidungen, die wir in Ruhe vermutlich nie getroffen hätten.

Diese Erkenntnis ist nicht nur für IT-Abteilungen relevant.

Sie betrifft Führung, Kommunikation und Unternehmenskultur gleichermaßen.

Denn überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, entstehen Vertrauen – und damit auch Angriffspunkte.

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Weitere Informationen

KI macht vieles einfacher. Aber nicht automatisch sicherer.

Kaum ein Thema verändert unseren Arbeitsalltag derzeit so stark wie Künstliche Intelligenz. Auch ich nutze KI täglich.

Für Recherchen, Ideen, Strukturierung oder Formulierungen.

Doch genau deshalb fand ich Erlijns Blick auf dieses Thema besonders spannend. Sie plädiert weder für blinde Begeisterung noch für grundsätzliche Skepsis.

Vielmehr erinnert sie daran, dass wir sehr bewusst entscheiden sollten, welche Informationen wir einer KI anvertrauen.

Viele Menschen kopieren heute komplette E-Mails, vertrauliche Dokumente oder personenbezogene Informationen in KI-Systeme, ohne darüber nachzudenken, welche Daten sie damit preisgeben.

Dabei gilt ein einfacher Grundsatz:

Je sensibler die Information, desto sorgfältiger sollte geprüft werden, ob sie wirklich in eine KI gehört. Das bedeutet keineswegs, dass wir auf diese Werkzeuge verzichten sollten.

Im Gegenteil. KI wird unsere Arbeitswelt dauerhaft verändern.

Aber genau wie beim Autofahren reicht Begeisterung allein nicht aus. Wir brauchen auch Regeln, Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Warum Passwörter oft gar nicht das eigentliche Problem sind

Natürlich sprachen wir auch über klassische IT-Sicherheit.

Und trotzdem blieb bei mir vor allem eine Erkenntnis hängen:

Technik lässt sich häufig absichern, Menschen bleiben unberechenbar.

Ein gutes Passwort schützt wenig, wenn Mitarbeitende sensible Daten leichtfertig weitergeben. Die beste Firewall hilft nicht, wenn jemand auf einen perfekt formulierten Phishing-Link klickt.

Sicherheit entsteht deshalb nie ausschließlich durch Software.

Sie entsteht durch Wissen und durch Aufmerksamkeit.

Und vor allem durch eine Kultur, in der Fragen ausdrücklich erlaubt sind.

Wer lieber einmal mehr nachfragt als vorschnell handelt, schützt nicht nur sich selbst, sondern oft das gesamte Unternehmen.

Innovation braucht Verantwortung

Viele Unternehmen setzen KI aktuell mit beeindruckender Geschwindigkeit ein. Oft aus nachvollziehbaren Gründen, niemand möchte den Anschluss verlieren. Doch Geschwindigkeit ersetzt keine Strategie.

Erlijn verglich diesen Prozess mit dem Bau eines Hauses.

Niemand würde zunächst Wände errichten und erst später überlegen, ob überhaupt ein Fundament vorhanden ist oder wo Türen und Fenster sinnvoll wären.

Genau das passiert jedoch häufig bei der Einführung neuer Technologien. Es wird ausprobiert und erst später über Sicherheit nachgedacht. Diese Reihenfolge kann teuer werden.

Gerade Führungskräfte stehen deshalb vor einer neuen Aufgabe.

Nicht jede technische Möglichkeit muss sofort genutzt werden.

Viel wichtiger ist die Frage:

Welche Technologie unterstützt unsere Werte?

Wo schafft sie echten Nutzen?

Und welche Leitplanken brauchen wir, damit Innovation langfristig erfolgreich bleibt?

Nachhaltigkeit beginnt auch digital

Viele kennen Erlijn als Cybersecurity-Expertin.

Ihre zweite große Mission gilt der Nachhaltigkeit.

Auf den ersten Blick wirken die beiden Themen möglicherweise weit voneinander entfernt. Im Gespräch wurde jedoch schnell deutlich, wie eng sie zusammenhängen.

Nachhaltigkeit bedeutet schließlich nicht nur Klimaschutz.

Sie umfasst ebenso wirtschaftliche Stabilität und soziale Verantwortung.

Ein Unternehmen, das Opfer eines Cyberangriffs wird, verliert unter Umständen Daten, Geld, Vertrauen und Arbeitsplätze.

Auch das ist eine Frage nachhaltigen Wirtschaftens.

Gleichzeitig eröffnet Künstliche Intelligenz enorme Chancen für ökologische Lösungen – etwa bei der intelligenten Steuerung von Energienetzen, effizienteren Prozessen oder ressourcenschonender Produktion.

Technologie ist deshalb weder gut noch schlecht.

Entscheidend ist immer, wie wir sie einsetzen.

Veränderung beginnt oft erst, wenn sie unvermeidbar wird

Ein Gedanke aus unserem Gespräch reicht weit über Cybersecurity hinaus. Menschen verändern sich häufig erst dann wirklich, wenn der Leidensdruck groß genug wird.

Dieses Muster kennen wir aus Organisationen genauso wie aus unserem persönlichen Leben.

Solange Systeme funktionieren, bleiben Routinen bestehen.

Erst wenn sich Rahmenbedingungen grundlegend verändern, entstehen neue Lösungen.

Die vergangenen Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, wie schnell Unternehmen plötzlich handlungsfähig werden können, wenn sie müssen: Digitale Zusammenarbeit. Homeoffice. Virtuelle Veranstaltungen.

Was zuvor oft als schwierig galt, wurde innerhalb weniger Wochen selbstverständlich.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, Veränderung nicht erst dann zu beginnen, wenn sie alternativlos geworden ist.

Zukunft entsteht durch Haltung

Was mich an Erlijn besonders beeindruckt, ist ihre Verbindung unterschiedlicher Disziplinen. Sie spricht nicht nur über Technologie, sondern auch über Psychologie, Verantwortung und gesellschaftliche Auswirkungen.

Genau diese Perspektive brauchen wir aus meiner Sicht heute mehr denn je.

Denn weder Künstliche Intelligenz noch Digitalisierung entscheiden darüber, wie unsere Zukunft aussieht.

Diese Entscheidung treffen wir.

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis unseres Gesprächs:

Die Zukunft wird nicht von der Technik bestimmt.

Sondern von den Menschen, die sie entwickeln, einsetzen und verantwortungsvoll nutzen.


Keep growing –

eure Vaya Wieser-Weber,

und das Team der Impulspiloten

Autor

  • Vaya Wieser Weber

    Vaya Wieser-Weber ist Unternehmerin und Keynote Speakerin für Growth Mindset, Zuversicht und positive Führung im Business. Unternehmen buchen sie, wenn es darum geht, Veränderung nicht nur zu verstehen, sondern in Verhalten zu übersetzen und eine klare, zukunftsorientierte Haltung im Unternehmen zu verankern.

    Sie zählt zu den profiliertesten Speakerinnen im deutschsprachigen Raum und steht für Keynotes mit Substanz, Wirkung und hoher Umsetzungsstärke – geprägt von über 25 Jahren Erfahrung, fundierter Expertise sowie einer kraftvollen Mischung aus Klarheit, Energie und Humor.

    In ihren Vorträgen zeigt sie, wie Unternehmen, Teams und Führungskräfte auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig bleiben, ein starkes Growth Mindset entwickeln und Zuversicht gezielt als Führungsressource nutzen.

    Als Autorin, Podcasterin von „Good Life, Good Business“ und geschäftsführende Gesellschafterin der Impulspiloten GmbH entwickelt sie Formate für Organisationsentwicklung, die Kultur, Zusammenarbeit und Führung nachhaltig verändern.

    Mehr über ihre Arbeit:
    👉 www.vaya.live
    👉 www.impulspiloten.de
    👉 www.wildwomensclub.de
    👉 Podcast „Good Life, Good Business

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