Manchmal wissen wir längst, dass etwas nicht mehr passt. Wir spüren es. Trotzdem bleiben wir. Weil der Job sicher ist. Weil das Leben von außen betrachtet gut aussieht. Weil andere uns sagen, dass wir doch eigentlich alles haben.
Shadi Pouyazadeh kennt diesen Moment. Sie war Modechefin und Moderatorin in der Medienbranche, arbeitete bei großen TV-Formaten und bewegte sich zwischen Paris Fashion Week und New York Fashion Week. Heute ist sie Meditations- und Achtsamkeitstrainerin, Keynote-Speakerin und Gründerin des Mindful Women’s Circle, einer Community für Unternehmerinnen, CEOs und Führungspersönlichkeiten.
Im Gespräch für meinen Podcast Good Life, Good Business erzählt Shadi von einem Weg, der alles andere als geradlinig war. Von einer erfolgreichen Karriere. Von einem Gefühl, das immer lauter wurde. Von Meditation. Von einem radikalen Neuanfang mitten in der Corona-Pandemie. Und davon, wie aus einer persönlichen Krise eine große Vision entstanden ist.
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Weitere InformationenWenn das eigene Leben plötzlich nicht mehr nach dem eigenen Leben aussieht
Der Wendepunkt kam nach der Geburt ihres Sohnes.
Shadi hatte sich ein Leben aufgebaut, das sie sich eigentlich immer gewünscht hatte: ein schönes Zuhause, Familie, beruflichen Erfolg. Und trotzdem wachte sie eines Morgens auf und hatte das Gefühl: Das bin nicht ich.
Sie beschreibt es als das Gefühl, das Leben einer Fremden zu leben und eine Rolle zu spielen.
Das ist ein Moment, den viele Menschen kennen. Vielleicht nicht in dieser Intensität. Aber oft gibt es diese leise Frage: Ist das wirklich noch mein Weg? Oder erfülle ich gerade vor allem Erwartungen?
Bei Shadi wurde diese Frage irgendwann so laut, dass sie Konsequenzen gezogen hat. Sie gab ihren sicheren Job auf und entschied sich für einen völlig neuen Weg.
Meditation als Anfang einer neuen Reise
Ihre Verbindung zur Meditation begann in Costa Rica. Dort sah sie zwei Frauen am Strand meditieren. Eine von ihnen war die brasilianische Schamanin Christina, bei der Shadi später selbst Sessions machte. Die Erfahrungen dort führten sie immer tiefer in Themen wie Meditation, innere Blockaden und persönliche Entwicklung.
Zurück in Wien absolvierte sie eine Coaching-Ausbildung und entschied sich schließlich, ihren bisherigen Weg komplett hinter sich zu lassen. Sie mietete sich im Ritz-Carlton einen Raum und startete als Meditationstrainerin.
Das war im Januar 2020. Zwei Monate später kam der erste Lockdown.
Hotels und Gastronomie wurden geschlossen. Shadi verlor damit genau den Ort, an dem sie gerade begonnen hatte, ihr neues Business aufzubauen. Gleichzeitig zerbrach ihre Ehe. Sie musste ihre Wohnung verlassen, hatte als alleinerziehende Mutter wenig finanzielle Sicherheit und stand plötzlich vor einer Situation, in der scheinbar nichts mehr funktionierte.
Eigentlich hätte man an diesem Punkt sagen können: Das war die falsche Entscheidung.
Genau das hörte Shadi auch von Menschen in ihrem Umfeld.
„Jetzt nimmst du dein Leben wie ein weißes Blatt Papier“
Dann rief sie ihre Mutter an.
Shadi erwartete offenbar Vorwürfe. Stattdessen bekam sie einen Satz, der sie bis heute begleitet:
„Du bist genau am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. Und jetzt nimmst du dein Leben wie ein weißes Blatt Papier und schreibst es neu.“
Ich finde diesen Gedanken bemerkenswert.
Wir bewerten schwierige Situationen oft danach, was uns gerade genommen wird. Der Job ist weg. Die Beziehung ist vorbei. Das Geld reicht nicht. Ein Plan funktioniert nicht.
Was wäre, wenn wir in solchen Momenten zusätzlich fragen: Was darf jetzt entstehen?
Für Shadi wurde diese Perspektive zum Wendepunkt. Innerhalb von 90 Tagen stellte sie ihr Leben neu auf. Sie brachte ihre Scheidung hinter sich, suchte sich eine Wohnung und einen neuen Job und begann, ihr Leben mit ihrem Sohn neu zu organisieren.
Schmerz kann zur Kraft werden
Shadi spricht sehr offen darüber, wie hart diese Zeit war. Sie erzählt von Schuldgefühlen und dem Gedanken, als Mutter für ihren Sohn alles zerstört zu haben. Gleichzeitig beschreibt sie, was sich daraus entwickelt hat. Man kann darin liegen bleiben. Oder man kann versuchen, Schmerz in Kraft zu verwandeln.
Shadi formuliert es sehr kraftvoll: Frauen können nicht nur Kinder gebären. Sie können auch Ideen und Visionen gebären.
Aus ihrer eigenen Erfahrung entstand deshalb eine neue Frage: Wenn so viel über Female Empowerment gesprochen wird, wo unterstützen sich Frauen tatsächlich gegenseitig?
Aus einer Vision wird eine Community
Shadi wollte einen Raum schaffen, in dem Frauen sich verbinden, inspirieren und auf unterschiedlichen Ebenen wachsen können – emotional, spirituell, physisch und beruflich. Dafür hatte sie zunächst weder großes Budget noch einen fertigen Businessplan.
Was sie hatte, waren Fähigkeiten und ein Netzwerk.
Sie konnte moderieren. Sie konnte kommunizieren. Sie konnte meditieren. Und sie kannte viele Menschen aus ihrer Zeit in der Medienbranche. Also rief sie diese Menschen an und erzählte ihnen von ihrer Vision.
So entstand der Mindful Women’s Circle.
Heute ist daraus eine Community für Unternehmerinnen, CEOs, Entrepreneure und Führungspersönlichkeiten geworden. Es gibt regelmäßige Events, einen Members Club und verschiedene Formate. Bei den Veranstaltungen verbindet Shadi Meditation, Keynotes und Networking. Die Idee dahinter: Erst entsteht Verbindung, dann Austausch.
Und die Entwicklung war rasant.
Gestartet ist der Circle im November 2024 mit 40 Frauen. Wenige Monate später gab es bereits 520 Anmeldungen zu einem Event. Aus einer Idee wurde eine etablierte Community, die inzwischen auch über Wien hinaus wächst – unter anderem mit Veranstaltungen in Zürich und geplanten Formaten auf Mallorca, in München und weiteren Städten.
Verbindung statt Visitenkarten
Besonders spannend finde ich Shadis Gedanken zum Networking. Sie möchte Räume schaffen, in denen nicht einfach Visitenkarten ausgetauscht werden. Die Verbindung soll vorher entstehen.
Meditation und Achtsamkeit sind dabei nicht Selbstzweck. Sie schaffen einen anderen Zustand, bevor Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Das verändert auch die Qualität des Netzwerkens.
Vielleicht ist genau das eine der großen Fragen unserer Zeit: Wie schaffen wir echte Verbindung in einer Welt, in der wir ständig miteinander kommunizieren?
Was wir von Shadi lernen können
Zum Ende unseres Gesprächs gibt Shadi drei Gedanken mit, die weit über Female Empowerment hinausgehen.
Der erste: Glaubt so sehr an euch selbst, dass die Meinung anderer weniger Macht über euch bekommt.
Gerade wenn wir etwas Neues beginnen, hören wir oft auf das Außen. Was denkt die Familie? Was sagen Freunde? Wie wird der ehemalige Arbeitgeber reagieren? Was denken die anderen?
Shadi hat gelernt, stärker auf das zu schauen, was sie selbst mitbringt.
Der zweite Gedanke: Schaut darauf, was bereits da ist.
Sie hatte kein großes Startkapital. Aber sie hatte Fähigkeiten, Erfahrung und ein Netzwerk. Aus diesen Ressourcen konnte sie etwas Neues bauen.
Und der dritte Gedanke lautet: Dranbleiben.
Vielleicht kommen am Anfang drei Menschen. Dann sind es irgendwann 30. Und später vielleicht 300.
Nicht jede Idee muss am ersten Tag groß sein. Aber sie braucht Menschen, die an sie glauben und bereit sind, weiterzugehen.
Das weiße Blatt Papier
Was mir von unserem Gespräch besonders hängen bleibt, ist das Bild des weißen Blattes.
Wir warten oft darauf, dass sich etwas verändert. Dass der richtige Zeitpunkt kommt. Dass wir mehr Sicherheit haben. Dass jemand uns bestätigt, dass unsere Idee gut ist.
Shadis Geschichte erzählt etwas anderes.
Manchmal entsteht Veränderung genau dann, wenn das alte Bild nicht mehr funktioniert. Wenn wir gezwungen sind, neu hinzusehen. Und wenn wir den Mut haben, nicht einfach zurückzugehen, sondern uns zu fragen: Was möchte ich jetzt schreiben?
Shadi hat ihr weißes Blatt beschrieben.
Mit Meditation. Mit Unternehmertum. Mit einer Community. Mit Verbindung. Und mit einer Vision, die heute weit über ihre eigene Geschichte hinausgeht.
Für mich ist das eine starke Erinnerung daran, dass persönliche Entwicklung und unternehmerisches Handeln oft näher zusammenliegen, als wir denken.
Denn am Ende beginnt beides mit einer Frage:
Was möchte ich aus dem machen, was jetzt da ist?
Keep growing –
eure Vaya Wieser-Weber,
und das Team der Impulspiloten
Autoren
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Vaya Wieser-Weber ist Unternehmerin und Keynote Speakerin für Growth Mindset, Zuversicht und positive Führung im Business. Unternehmen buchen sie, wenn es darum geht, Veränderung nicht nur zu verstehen, sondern in Verhalten zu übersetzen und eine klare, zukunftsorientierte Haltung im Unternehmen zu verankern.
Sie zählt zu den profiliertesten Speakerinnen im deutschsprachigen Raum und steht für Keynotes mit Substanz, Wirkung und hoher Umsetzungsstärke – geprägt von über 25 Jahren Erfahrung, fundierter Expertise sowie einer kraftvollen Mischung aus Klarheit, Energie und Humor.
In ihren Vorträgen zeigt sie, wie Unternehmen, Teams und Führungskräfte auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig bleiben, ein starkes Growth Mindset entwickeln und Zuversicht gezielt als Führungsressource nutzen.
Als Autorin, Podcasterin von „Good Life, Good Business“ und geschäftsführende Gesellschafterin der Impulspiloten GmbH entwickelt sie Formate für Organisationsentwicklung, die Kultur, Zusammenarbeit und Führung nachhaltig verändern.
Mehr über ihre Arbeit:
👉 www.vaya.live
👉 www.impulspiloten.de
👉 www.wildwomensclub.de
👉 Podcast „Good Life, Good Business“